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Jan 30

Die größte Schiffskatastrophe der Geschichte – Die “Wilhelm Gustloff”

Vor nunmehr fast 70 Jahren kostete die Versenkung der "Wilhelm Gustloff" fast 10.000 Menschen – überwiegend Zivilisten – das Leben

Image635266780678181069Versöhnung braucht Offenheit. Vertreibung ist eine historische Hypothek. Wer sie verdrängt, wird von ihrem Schatten weiter bedrängt", postuliert Guido Knopp völlig zu recht. Gerne wird in der Bundesrepublik mit der Singularität argumentiert, um Verbrechen und deren Opfer zu klassifizieren. Eine Vertreibung von 17 Millionen Menschen, die über drei Millionen Opfern abgesehen von der Heimat das Leben gekostet hat, dürfte in der Menschheitsgeschichte einmalig, sprich singulär, sein. Auch insofern ist es der Deutschen und auch des Auslands Pflicht, wie den nationalsozialistischen auch den alliierten Völkermord und dessen Opfer dem Vergessen zu entreißen und dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit zu erhalten.

Von den 33.000 Flüchtlingen, Soldaten und Marineangehörige, die bei der Evakuierung über die Ostsee ums Leben kamen, fiel jeder dritte bis vierte der Versenkung der "Wilhelm Gustloff" vor 60 Jahren zum Opfer.

Das spätere Unglücksschiff lag ab 1940 am Kai von Gotenhafen-Oxhöft, wo es der 2. Unterseebootslehrdivision (2. ULD) als Wohn- und Unterrichtsschiff diente. Am 21. Januar 1945 erteilte das Oberkommando der Kriegsmarine unter Großadmiral Karl Dönitz der Lehrdivision den Befehl, sich unter Mitnahme der in Gotenhafen stationierten Marinehelferinnen und möglichst vieler Flüchtlinge mit ihrer "schwimmenden Kaserne" vor der vorrückenden Roten Armee Richtung Westen abzusetzen.

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Am 30. Januar gegen Mittag legte das für 1.500 Passagiere ausgelegte 208,5 Meter lange und 56 Meter hohe frühere Kreuzfahrtschiff mit über 10.000 Menschen an Bord ab. Obwohl wegen widriger Umstände nur das kleine Torpedoboot "Löwe" der "Gustloff" auf ihrer Fahrt durch die tobende See Begleitschutz leistete, traf die Schiffsführung einige Entscheidungen, die der russischen U-Bootwaffe einen Angriff erleichterten. Der Kapitän Friedrich Petersen setzte die Benutzung des zwar minengeräumten aber uferfernen "Zwangsweges 58" gegen seinen Ersten Offizier Louis Reese durch, der den Küstenweg favorisierte. Auch gegen Korvettenkapitän Wilhelm Zahn von der Lehrdivision, der als militärischer Transportleiter fungierte, setzte der Handelsschiffskapitän sich durch. Während Zahn mit seiner U-Booterfahrung sich für mindestens 15 Seemeilen Geschwindigkeit einsetzte, wollten Petersen und Reese ihrem durch einen nie vollständig behobenen Bombentreffer lädierten Schiff nicht mehr als zwölf Meilen zumuten. Schließlich setzte die "Wilhelm Gustloff" auch noch Positionslichter in der Annahme, ein aus mehreren Fahrzeugen bestehender Minensuchverband käme ihnen in geöffneter Formation entgegen.

Um 21.15 Uhr trafen die "Gustloff" drei Torpedos eines Fächers des sowjetischen U-Bootes S 13. Der erste schlug im Vorschiff ein und traf den Wohntrakt der Stammbesatzung, die damit für die anschließenden Rettungsarbeiten weitgehend ausfiel. Der zweite detonierte knapp unterhalb des wasserlosen Schwimmbeckens, das voller Marinehelferinnen war. Der dritte lag mittschiffs in der Nähe des Maschinenraums und riß die Bordwand bis zur Reling auf. Das Schiff war damit rettungslos verloren. Minute um Minute sackte der Bug, bis das Heck sich mit einem gewaltigen Ruck in die Höhe hob und ziemlich genau eine Stunde nach der Torpedierung das Schiff mit dem Vorschiff voran in den Fluten versank.

Von den Rettungsmöglichkeiten für 5.000 Menschen stand nur ein Teil zur Verfügung. So war ein Großteil der Flöße an Deck festgefroren; die Verankerungen der Rettungsboote waren von einer zentimeterdicken

Eisschicht überzogen; und keines der Boote war ausgeschwungen, wie es die entsprechenden Richtlinien für derartige Fahrten vorsahen. Die nach wie vor bestehende Gefährdung durch U-Boote hinderte andere deutsche Schiffe daran, in dem Maße Hilfe zu leisten, wie dieses in Friedenszeiten möglich gewesen wäre. Die Kälte der Ostsee tat das Ihrige, um das von Menschenhand ausgelöste Unglück zur größten Schiffskatastrophe der Geschichte werden zu lassen. Nur 1.239 Überlebenden stehen 9.343 Todesopfer gegenüber.

Wir gedenken der Toten in tiefer Trauer!

Quelle: Vertrieben-Aktuell

4 Kommentare

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  1. AeltererKnecht

    „Versöhnung braucht Offenheit. Vertreibung ist eine historische Hypothek. Wer sie verdrängt, wird von ihrem Schatten bedrängt.“

    Der Knopp mutiert hier vom Saulus zum Paulus, oder soll´s etwa zynisch daher kommen? Oder aber, holt ihn auch etwa seine böse Geschichtsklitterei ein und läßt sein Gewissen nicht in Ruhe? Es scheinen hier menschliche Züge wach zu werden.

    Allein, es bleibt die unsägliche Tat eines, so Zeitzeugen Berichten zur Folge, eines besoffenen U-Boot Kapitäns, der Tags zuvor noch in heftiger Saufmission unterwegs war, bevor er dann dem Auslaufbefehl einen ganzen Tag später, folge leistete. Das allein scheint Schicksalhaft zu sein, wie es tragischer nicht sein kann.

    Dieser Kaleu Marinesko muss gesehen haben, daß es sich um ein Schiff, überladen mit Flüchtlingen handelte. Zu seinem „Trost“ und zur Ehrenrettung seiner vom Alkohol vernebelten Sicht, waren ja Flakgeschütze auf Deck. Da muß man dann draufhalten.
    Nein, er hatte nur den Verdienstorden von „Väterchen Russland“ im Suffkopp und hat „abgedrückt.“ Auf den so abgedrückten vier Torpedos standen dann, den Verlautbarungen der U-Boot Mannschaft nach, solche Verheißungen wie: „Für Mütterchen Russland,“ auf T2 stand zu lesen: „Für Stalin,“ T3 trug die Aufschrift: „Für das sowjetische Volk“ und T4 soll sich mit dem Spruch: „Für Leningrad“ auf die „Reise“ begeben haben. Allein, es erreichen drei Torpedos ihr Ziel. Alles Weitere ist grausame Geschichte, daran will wohl auch Herr Knopp nicht zweifeln.

    Marinesko hat dann nach dem Mordrausch und dem Ende des Krieges eine 1A Trinkerkarriere hingelegt, ist mehrfach verurteilt, wegen diverser krimineller Delikte und starb zum bösen Ende, in einem Gefängnis, ohne den ersehnten Verdienstorden jemals erhalten zu haben. Jahre nach seinem Tod wurde ihm dann „posthum“ den Orden „umgehängt.“ Irre.
    Was aber der unaussprechlichen Tragödie die Krone aufsetzt, ist die Tatsache, daß in einem Zeitraum von mehr als sieben Jahren, die Sowjets den Schiffskörper der Wilhelm Gustloff bis auf die Wasserlinie abgetragen haben. Dabei blieben noch weitere „Versuche“ die Kielsektion, wie auch Bug und Heck zu heben, unvollendet. Es wurden sogar die Leichen samt Kleidung „geborgen.“

    Dr. Willi Kramer spricht auf seiner Internetseite, vom Jahre 2002 auch zu recht von einem Nachkriegsverbrechen! Dem kann man sich nicht verschließen, geht man von der vorsätzlichen „Ursache“ aus und schaut dann auf diese Grabräuberei, da will einen nur der heilige Zorn über so viel Barbarei überkommen. Die Polen haben dann, angeblich, in 1992 die Schiffglocke geborgen haben und halten sie fortan in „Ehren,“ nun ja!

    Da will dann die sich abzeichnende Bewegung in Königsberg, ein mildes Licht auf die Sache werfen!
    Für Interessierte hier der Link auf Dr. Willi Kramers Internetseite

    http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.highend-archaeology.eu/bilder/wgwreck.jpg&imgrefurl=http://www.highend-archaeology.eu/gustloff.htm&h=267&w=500&sz=31&tbnid=DMO-Vt9Yd5UbWM:&tbnh=62&tbnw=116&zoom=1&usg=__4mM5w5l6Hyw0plOicHtaziAV3VA=&docid=UCCbDgeGr31i1M&sa=X&ei=_JzqUtaXKsLXswa25IGwAw&ved=0CKIBEP4dMA0

    1. Gungnir

      Hallo AeltererKnecht!

      So sind sie, die „Helden der ruhmreichen Sowjetarmee“(ich glaub mir wird schlecht) und die „Freunde“(Polen) von denen wir umzingelt sind!

      Ein schönes Wochenende wünscht Dir Dein Freund Gungnir

      PS: Da hast Du wieder einen sehr guten Artikel verfaßt!

  2. Manzony

    Ja es war Krieg, ein Krieg den das deutsche Volk in seiner Gesamtheit nie wollte. Es sind sicher auf beiden Seiten Verbrechen geschehen. Wenn ich an die Gespräche mit Kollegen denke, welche den Einmarsch in die Sowjetunion mitmachten, dann ging die Spirale der Gewalt von den sowjetischen Kommisaren aus. Verwundete und gefangene Landser wurden unmenschlich ermordet. Da musste doch klar sein, daß danach kaum Gefangene von deutschen Einheiten gemacht wurden.
    Die Einstellung der Roten Armee gegenüber Gefangenen zieht die Paralele zur „Gustloff“ und der „Goya“! Ein deutsches Menschenleben war denen nichts wert.
    Nach der Niederlage wurde eine Mordorgie gegen die deutsche Bevölkerung losgetreten. Siehe CSR, Polen, Jugoslawien, Frankreich usw. Diese Liste könnte um einige Namen verlängert werden.
    Ach, wie ich hasse! Stehe ich alleine da?
    Semper GD

    1. Ex oriente lux

      AH hat die Größe und Materialmenge der Roten Armee völlig unterschätz. Laut seiner eigenen Aussage hätte er nie angegriffen wenn er zuverlässige Angaben gehabt hätte. Friede den armen Teufeln auf beiden Seiten welche unsägliche Leiden ertragen mussten. Der Rest der genannten Sieger betreibt ja heute noch das Erbschuldspielchen.

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